Porzellan, das weisse Gold

Carola Müller (stehend) und Schaumalerin Christine Arndt
6. April 2011

Referat von Carola Müller, ehemaliger Geschäftsführerin des Porzellangeschäfts am Grossmünster in Zürich.

Die Chinesen stellten bereits im Mittelalter Porzellan her, und es gelang ihnen auch, das Verfahren lange geheim zu halten. Ab dem 13. Jahrhundert  wurde edles Porzellan zu horrenden Preise aus China und Japan importiert. Mit der Verfeinerung der Tischsitten und der Speisen wollte die adlige Gesellschaft aber nicht mehr aus Zinn- und Fayencetellern essen, wodurch die Nachfrage nach Porzellan stieg. Die Geburtsstunde des europäischen Porzellan schlug 1710:  August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, wollte eigentlich Gold herstellen, um seine Finanzen zu sanieren. Doch die beiden Alchimisten Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, die in seinem Auftrag tätig waren, entwickelten das Porzellan. August der Starke erkannte das Potential dieser Erfindung und gründete die erste europäische Porzellan-Manufaktur, die bis heute dem Freistaat Sachsen gehört.

Seit 1722 trägt das Meissener Porzellan als Markenzeichen die «Gekreuzten Schwerter». Wahrscheinlich ist dies die älteste noch im Gebrauch befindliche Marke. Die Zusammensetzung der Farben und der Glasur sind ein streng gehütetes Geheimnis. In Meissen werden auch Porzellanmaler ausgebildet. Sie durchlaufen eine vierjährige Ausbildung und brauchen dann noch viele Jahre der Praxis, bis sie ganz spezielle Aufträge ausführen dürfen. 

Bis heute produziert Meissen gehobenes Porzellan für die gepflegte Tafel, kunstvolle Figuren und seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert auch Porzellan mit einfacheren Dekors. Heute lässt sich beinahe jeder Wunsch erfüllen, beispielsweise Wasserhähne und Badezimmerfliesen für die elegante Villa.
Trotz der vielen Veränderungen sind die hohen Qualitätsstandards geblieben. Auf internationalen Auktionen erreichen Kunstwerke nach wie vor Spitzenpreise und sind begehrte Sammlerstücke geblieben.

Das Reich von August dem Starken ist untergegangen, seine Porzellanmanufaktur aber hat alle Kriege und politischen Wirren überdauert, und deren Erzeugnisse erfreuen die Menschen nach wie vor.

Meissener Sujet
Vergnügte Tischrunde
Kunstvolles Handwerk
Carola Müller, Eva Wagner und Christine Arndt