Besuch des Inner Wheel Clubs Augsburg

Die 16-köpfige Delegation des IWC Augsburg
19. April 2010

Der Inner Wheel Club Ausgsburg besuchte uns am Sächsilüüte-Wochenende in Zürich.

Mit einer guten halben Stunde Verspätung kann das Zürcher IWC-Komitee am Montag, 19. April 2010, die 16 Frauen starke Delegation aus Augsburg am Zürcher Hauptbahnhof empfangen und herzlich begrüssen. Getreu dem Volksspruch «Wenn Engel reisen, lacht die Sonne» präsentiert sich Zürich von seiner schönsten Seite! Nach der Gepäcksabgabe gehts unter Leitung von Jrma Buchmann und Suzanne König gleich los per pedes zum Lindenhof, wo sich uns der Gastkanton des diesjährigen Sächsilüüte – Nidwalden – in seiner schönsten Tracht präsentiert, bevor wir uns zum reservierten Mittagessen im Zelt an einen langen Tisch setzen.

Der Tradition entsprechend, wird uns nach einem grünen Salat eine Kalbsbratwurst vom Grill von der Zürcher Metzgerei Horber mit einem Zürcher Büürli der Bäckerei Buchmann zum Zürcher Stadtwein serviert. Doch schon bald gehts wieder los, die steile Fortuna- und Kuttelgasse hinab zur Bahnhofstrasse auf unsere reservierten Plätze am linken Strassenrand, um ab 15 Uhr dem Sächsilüüte-Umzug der 26 Zürcher Zünfte beizuwohnen. Vorgängig erhaschen wir noch einen Blick auf die 1988 gegründete Frauenzunft (Frauen können nicht Mitglied einer Zunft werden und deshalb bis heute nicht im offiziellen Umzug mitlaufen). Ab nächstem Jahr jedoch soll diese Benachteiligung der Gesellschaft zu Fraumünster aufgehoben werden.

Das Fest, das alljährlich im April nach Ostern stattfindet, markiert einen Höhepunkt im Stadtzürcher Festkalender und startet jeweils am Sonntagnachmittag mit dem Umzug von über 3000 Kindern im Alter von fünf bis 15 Jahren, eingekleidet in historischen Gewändern. Am Montagnachmittag folgt der Umzug der 26 ausschliesslich aus Männern bestehenden Zünfte, ebenfalls in historischen Gewändern, hoch zu Ross, zu Fuss, auf Wagen oder in Kutschen. Sie begeistern Einheimische genauso wie zahlreiche Besucherinnen und Besuchern aus Nah und Fern. Das scheint den Augsburgerinnen nicht anders zu ergehen, zumindest scheinen sich Edith, Renate, Brigitte, Christa und Barbara köstlich zu amüsieren. Mit dabei auch immer hochkarätige Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Showbusiness, deren Beliebtheit sich an der Grösse des mittragenden Blumenstrausses ablesen lässt. Der Brauch will es nämlich, dass die zuschauenden Damen ihren Ehemännern, Söhnen oder Verehrern Blumen überreichen und dafür einen Kuss erhalten. Diesbezüglich dürfte unter den IWC-Damen unsere schöne Suzanne König als Zunftgattin wohl am aktivsten gewesen sein...

Das Zürcher Zunftwesen datiert aus dem Jahr 1336, nachdem am 7. Juni jenes Jahres bewaffnete Handwerker und Krämer das Rathaus stürmten, um den unbeliebten Rat aus Rittern, Kaufleuten und freien Burgern, die ihre Macht in unverschämter Art ausnutzten, zu stürzen. Nach dem Putsch unter Führung von Rudolf Brun organisierten sich die Handwerker in 13 Zünften und stellten die Hälfte des Rates. Mit Napoleons Einmarsch gegen Ende des 18. Jahrhunderts verloren die Zünfte ihren politischen Machtanteil. Erst ein Jahrhundert später begannen sie sich als Vereine wieder zu organisieren und huldigen fortan der Tradition und Geselligkeit.

Früh übt sich, wer dereinst ein Zünfter werden will... Die Zunft zum Widder wurde 1336 als eine der ältesten Zünfte gegründet und vereint Metzger wie Viehhändler. Das Widder-Hotel am Rennweg ist ihr Zunftlokal, das einmal im Monat ebenfalls Gastgeberin der IWC-Frauen von Zürich ist.

Der Umzug endet jeweils gegen sechs Uhr abends auf dem grossen Platz vor dem Opernhaus am Bellevue, dem Sechseläutenplatz. Dort wartet der Böögg in Gestalt eines Schneemannes auf einem Scheiterhaufen auf seinen Flammentod. Punkt sechs Uhr wird die Holzbeige entzündet, gebannt schauen Hunderte von ZuschauerInnen vor Ort sowie Tausende vor dem Fernseher abwechselnd auf den Böögg und die Uhr, denn sobald der Böögg seinen Kopf verliert, wird die Zeit gestoppt. Die Sage verheisst: je kürzer die vergangenen Minuten, desto schöner der  Sommer. Dieses Jahr verstrichen genau 13 Minuten, bis der Kopf mit einem lauten Knall abgesprengt wurde. Es gab Jahre, da dauerte es bloss 8 Minuten, und solche mit einer Dauer von 18 und mehr Minuten. Ob dies immer zutrifft, ist der Schreibenden mangels Statistik leider nicht bekannt. Übrigens: Der Böögg erhielt seinen Namen von maskierten Knaben, die Bööggen genannt wurden.
Während die 26 verschiedenen Zunftangehörigen sich die Nacht hindurch gegenseitig in ihren Zunftlokalen besuchen, begnügten sich die Inner Wheelerinnen mit einem einzigen Lokal, der Bündnerstube des Mövenpicks, wo das traditionelle Züri-Menü – Züri-Geschnetzeltes mit Rösti – kredenzt wurde.

Der Dienstag, 20. April 2010, stand im Sinne einer etwas ernsthafteren Kultur. Am Treffpunkt beim Sprüngli am Paradeplatz empfängt uns das Tessiner IWC-Mitglied Beatrice Stirnemann zu einer Altstadt-Führung, die sie mit der Besichtigung der Fraumünsterkirche auf dem Münsterplatz beginnt. Das einstige Gotteshaus eines Frauenklosters, gestiftet 853 von König Ludwig dem Deutschen, war bis ins 14. Jahrhundert von Benediktinerinnen aus dem süddeutschen Hochadel bewohnt. Heute zieht die im romanisch-gotischen Stil erbaute evangelisch-reformierte Kirche der berühmten Glasfenster von Marc Chagall wegen täglich zahlreiche Besucher aus aller Welt an. Die erst 1970 entstandenen fünf Fenster im Chor zeigen geschichtliche Figuren aus dem Alten Testament, die Geburt Christi, seine Kreuzigung und Auferstehung, welche uns unsere künftige Präsidentin Eva Wagner in ausführlicher Erzählung näher bringt.

Das blaue Fenster zeigt Jakob im Kampf mit dem Engel und seinem Traum einer Leiter in den Himmel. Das grüne Christus-Fenster zeigt Joseph mit dem Baum des Lebens, der Familie und des Erlösers, in den Ästen schwebt Maria mit dem Jesuskind, das Gotteslamm zu Füssen. Das gelbe Zion-Fenster zeigt einen Engel mit Posaune und das Herabsteigen Neu-Jerusalems vom Himmel samt strahlendem König David. Nicht auf dem Foto sind die beiden seitlichen Fenster, das blutrote Propheten-Fenster mit Elijas Himmelfahrt und das türkisfarbene Gesetzes-Fenster mit Moses und Jesaja samt Friedensengel.

Es geht weiter am Denkmal des Kriegsherrn Waldmann vorbei, der im 15. Jahrhundert als Zürichs unbeliebter Bürgermeister vom Volk enthauptet wurde, über die Münsterbrücke zum gegenüber liegenden Helmhaus mit der Wasserkirche und dem Denkmal des Reformators Huldrych Zwingli. Dann die Treppe hinauf auf den Zwingliplatz mit dem Grossmünster. Der Legende nach soll an dieser Stelle Karl der Grosse die Gräber der Stadtheiligen Felix und Regula sowie Exuperantius entdeckt und darauf um 1100 eine erste Kirche als Chorherrenstift erbauen lassen haben. Die heutige envangelisch-reformierte Grossmünsterkirche entstand um 1200-1250; ihre baulichen Einflüsse weisen in die Lombardei und die charakteristischen Doppeltürme sind das eigentliche Wahrzeichen Zürichs. Sie gehört mit dem Fraumünster und St. Peter zu den bekanntesten Kirchen der Stadt.

Beatrice Stirnemann führt uns am Karl dem Grossen, dem soziokulturellen Zentrum der Altstadt vorbei in die Oberdorfstrasse, wo sie eine schwere Holztür mit Schlüssel öffnet. Ein überaus enges und niedriges Gässchen führt direkt zur Limmat und überlässt die Vorstellung, wie hier vor Urzeiten Abwässer und Abfälle direkt in den Fluss gelangten, einem jeden Einzelnen.

Durch die Kirchgasse hoch und die Münstergasse hinunter gelangen wir zu unserem letzten Ziel, dem weit über die Stadtgrenze hinaus bekannten Café Schober. Gegründet 1842 als Eberle’s Süsskramladen, gelangte das Haus 1874 in den Besitz von Theodor Schober. Der tüchtige Konditormeister ergänzte den Laden mit einem Café; beides wurde ab 1909 von seinem gleichnamigen Sohn übernommen. 66 Jahre lang, bis zu seinem 92. Lebensjahr, führte dieser mit seiner Frau und den drei Töchtern das einmalige Geschäft weiter. Ab 1976 pachtete Chocolatier Teuscher, gemeinsam mit Felix Daetwyler, die berühmte Kaffee-Konditorei. 2009 übernimmt Gastronom Michel Péclard das Haus, das nach einer sorgfältigen Renovation in einem etwas moderneren Glanz neu erstrahlt und ZürcherInnen wie Touristen weiterhin in Bann zieht. Die verschiedenen Flammenkuchen und hervorragenden Süssigkeiten jedenfalls vermochten zu begeistern.

Die verbleibende Zeit bis zum Abendessen verbrachte jedermann nach freier Lust und Laune. Ab 18.30 Uhr füllte sich der Cheminéeraum differente im Hotel Krone, wo die Augsburgerinnen auch logierten, zum Apéro und anschliessend einem festlichen Dinner, dessen vorzügliche Qualität vor allem uns Zürcherinnen erstaunte, nachdem die Herren Rotarier von Zürich-Oerlikon den Lunch an ihren wöchentlichen Zusammenkünften nicht besonders rühmen können. Aber wie heisst es doch so schön: «Es war schon immer ein bisschen teurer, einen guten Geschmack zu haben.» So hat unsere Präsidentin Friederike mit dem Gründungsmitglied Heidy Bonomo bei der Menüwahl halt nicht gespart. Heidy verdanken wir ebenfalls die bunt-fröhliche Frühlingsblumen-Tischdekoration!

Mittwoch, 21. April 2010: Nach einem gemeinsamen Frühstück stand der Besuch des Kunsthauses Zürich, das am 17. April 2010 seinen hundertsten Geburtstag feiern konnte, auf dem Programm. Die Führung durch die Sammlung der Stiftung Emil Bührle (1890-1956) mit rund 180 Gemälden von Van Gogh, Cézanne und Monet war ein weiterer Höhepunkt des IWC-Kontakttreffens Augsburg/Zürich. Rundum zufrieden verabschiedeten wir die 16 aufgestellten Frauen des Inner Wheel Clubs Augsburg im Bahnhof Zürich um Viertel nach eins mit der Gewissheit auf ein freudiges Wiedersehen im Herbst 2011 in Augsburg.

Sarah Rieder
Beisitzerin/Clubmeisterin IWC Zürich

Der Gastkanton Nidwalden präsentierte sich in seiner schönsten Tracht.
Geniessen den Umzug: Edith, Renate, Brigitte, Christa und Barbara
Stolze Zünfter hoch zur Ross.
Früh übt sich, wer einst ein Zünfter werden will.
Prächtige Kostüme am Zücher Sächsilüüte.
Die weltbekannten Chagallfenster in der Fraumünsterkirche.
Spass im Zürcher Traditionscafé Schober.